Kontrast

Musterlösungen und Qualitätsstandards

Mit den Qualitätsstandards und Musterlösungen werden Planerinnen und Planer dabei unterstützt, eine attraktive Infrastruktur für den Radverkehr in Hessen zu schaffen. Sie beschreiben die Einsatzbedingungen und Qualitätsanforderungen unterschiedlicher Elemente in Radschnellverbindungen, Raddirektverbindungen und Radverbindungen.

Der deutsche Fahrradpreis 3. Platz 2021

Die drei Ausbaustufen im Radverkehrsnetz

Im hessischen Radnetz sind folgende Ausbaustufen definiert:

  • Radschnellverbindungen
  • Raddirektverbindungen
  • Radverbindungen einschließlich der Hessischen Radfernwege

Die Vorgaben aus den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (FGSV, ERA, 2010) bilden die Ausgangsbasis, die jede Radverkehrsanlage im landesweiten Radnetz mindestens erfüllen sollte. Das landesweite Radnetz soll mit Radschnellverbindungen und Raddirektverbindungen dort ausgebaut werden, wo mit einem entsprechend hohen Radverkehrsaufkommen zu rechnen ist.

Der Einsatz der jeweiligen Qualitätsstandards richtet sich nach der zu erwartenden Radverkehrsbelastung und der Bedeutung für den Alltagsradverkehr: Übersteigt die prognostizierte Zahl der Nutzenden den Wert von 2.000 Radfahrenden an einem Werktag auf dem überwiegenden Teil der Gesamtstrecke, so soll die Verbindung als Radschnellverbindung ausgebaut werden. Bei einem Nutzerpotential von 1.500 – 2.000 Radfahrenden pro Werktag wird der Ausbau nach den Qualitätsstandards für Raddirektverbindungen empfohlen.

Eine Erläuterung der Herangehensweise in Hessen finden Sie hier.

Tabelle zu Qualitätsstandards und Musterlösungen

Die drei Ausbaustufen im Radverkehrsnetz im Überblick © HMWEVW

Kriterien für Schnellverbindungen

Um eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 20 km/h zu erreichen, sollen solche Verbindungen direkt und steigungsarm geführt werden. Zahl und Dauer von Halten soll so gering wie möglich gehalten werden. Darüber hinaus sollen sie eine hohe Oberflächenqualität aufweisen. Die Breiten sollen das Nebeneinanderfahren und Überholen sowie das störungsfreie Begegnen ermöglichen. Dies bedeutet unter anderem, dass Radschnellverbindungen im Zweirichtungsverkehr mit einer Breite von 4 m und im Einrichtungsverkehr mit einer Breite von 3 m ausgeführt werden. Auf Raddirektverbindungen werden 3 m im Zweirichtungsverkehr und 2 m im Einrichtungsverkehr angewendet.

Radschnell- und Raddirektverbindungen können ebenso wie die übrigen Radverbindungen selbstständig, straßenbegleitend oder auf Nebenstraßen geführt werden. Für zu Fuß Gehende wird in der Regel ein eigener Gehweg vorgesehen.

Musterlösungen

Mit den Musterlösungen führt das Land Hessen standardisierte Lösungen für typische Knotenpunktformen im Zuge von Radschnell-, Raddirekt- und Radverbindungen ein. Die Empfehlungen unterstützen Planerinnen und Planer sowie die Straßenverkehrsbehörden vor Ort und sollen im Sinne einer einfachen Verständlichkeit und Akzeptanz durch alle Verkehrsteilnehmenden in Hessen einheitlich angewendet werden.

Jede Musterlösung enthält eine Prinzipskizze sowie Hinweise zu Einsatz und zu weiterführenden Regelwerken. Die Musterlösungen für Radschnellverbindung oder Raddirektverbindung orientieren sich daran, eine Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h zu ermöglichen und die Halte durch Bevorrechtigung oder bauliche Trennung so gering und kurz wie möglich zu halten.

Änderungen und Neuigkeiten der zweiten Auflage (Stand November 2020 – gültig ab 5. Januar 2021)

Die zentrale Ergänzung der zweiten Auflage ist die Definition von Einsatzbereichen für die unterschiedlichen Führungsformen in Abhängigkeit der drei Netzkategorien (Kapitel 4):

  • „Schulnetz“, bei dem wenig verkehrsgeübte Schülerinnen und Schüler die relevante Nutzergruppe sind,
  • „Radnetz“, auf dem der weniger verkehrsgeübte Alltagsradverkehr die relevante Nutzergruppe ist und
  • „Radzusatznetz“, das als Zusatz für den verkehrsgeübten, zielorientierten Alltagsradverkehr ausgerichtet ist.

Darüber hinaus wird die Anwendung der Ausbaustufen Radschnellverbindung und Raddirektverbindung in der zweiten Auflage insbesondere auf die zu erwartende Radverkehrsbelastung bezogen (Kapitel 2). Die in der ersten Auflage zusätzlich dargestellte Verbindungsfunktion im Sinne Richtlinien für integrierte Netzgestaltung (RIN, 2008) zur funktionalen Gliederung der Verkehrsnetze aus der zentralörtlichen Gliederung der Raumordnung und Landesplanung entfällt, da diese für die Ausbaustufe im Radverkehr eine untergeordnete Bedeutung hat.

Die Musterlösungen wurden insbesondere um folgende die Anlagen ergänzt:

  • Anlage 4: Wechsel von Führungsformen
  • Anlage 5: Platzierung von Verkehrseinrichtungen auf der Straße
  • Anlage 8.2 – Einbahnstraßen und
  • Anlage 8.3 – Querungen

Weiterentwicklung und aktuelle Ergänzungen

Weiterentwicklung und aktuelle Ergänzungen: Anlage 9 – Musterlösungen für die Radverkehrsführung an Bushaltestellen sind da!

Die Anlage 9 – Musterlösungen für die Radverkehrsführung an Bushaltestellen ist aktuell nicht zum Download verfügbar, da ein Fehler enthalten ist. Sobald dieser korrigiert wurde, wird die Anlage 9 wie gewohnt wieder zum Download zur Verfügung stehen. Sie werden über den Newsletter darüber informiert.

Zudem enthält die Einleitung, neben konkreten Hinweisen zur Umsetzung der Radverkehrsführung hinsichtlich der Barrierefreiheit, ein Einsatzdiagramm, mit dem die Auswahl der Musterlösung vereinfacht wird.

Die Qualitätsstandards und Musterlösungen werden laufend weiterentwickelt. Aktuelle Ergänzungen werden auf dieser Internetseite zur Verfügung gestellt (siehe unten – Downloads).