Im Park unterwegs: Frau zu Fuß und Mann auf dem Fahrrad

© HMWVW – Corinna Spitzbarth

Hessen fördert Nahmobilität mit mehr als zehn Millionen Euro

  • 40 Maßnahmen in hessischen Kommunen von Juli bis September bewilligt
  • Allein im September rund 5,95 Millionen Euro für 21 Projekte
  • Mansoori: „Die Menschen sollen selbst entscheiden können, wie sie ihre täglichen Wege zurücklegen“

Das Land Hessen und der Bund haben den Ausbau der Nahmobilität in hessischen Kommunen von Juli bis September 2026 mit insgesamt rund 10,2 Millionen Euro unterstützt. In diesem Zeitraum wurden 40 Förderprojekte bewilligt, davon allein 21 im September mit einem Fördervolumen von rund 5,95 Millionen Euro. Die Maßnahmen reichen von einer neuen Fußwegebrücke über die Bahngleise in Willingen und dem Ausbau des Rodauradwegs in Rodgau bis zu barrierefreien Kreuzungen in Kassel und Fulda. Auch die Beleuchtung von Schulwegen, neue Fahrradabstellanlagen und die Planung überörtlicher Radwegeverbindungen werden gefördert.

„Ob ein Kind mit dem Fahrrad zur Schule fahren kann, hängt auch davon ab, wie sicher der Weg dorthin ist. Und für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl kann schon eine Bordsteinkante zum Hindernis werden. Das entscheidet mit darüber, wie selbstständig Menschen unterwegs sein können. Deshalb unterstützen wir unsere Städte und Gemeinden dabei, Geh- und Radwege auszubauen und solche Hindernisse zu beseitigen. Mir ist wichtig, dass die Menschen selbst entscheiden können, wie sie ihre täglichen Wege zurücklegen. Dafür müssen wir ihnen auch die entsprechenden Möglichkeiten schaffen, in unseren Städten genauso wie im ländlichen Raum“, sagte der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori.

Neue Geh- und Radwege schließen Lücken im Verkehrsnetz 

Die Gemeinde Willingen erhält rund 1,29 Millionen Euro für den Neubau einer Fußwegebrücke über die Bahntrasse im Ortszentrum. Die rund 38 Meter lange Brücke soll künftig das Ortszentrum und den Bereich am Ettelsberg miteinander verbinden. Bislang müssen Fußgängerinnen und Fußgänger teilweise längere und aufgrund der Topografie steile Wege zurücklegen. Mit der neuen Brücke entsteht eine barrierefreie Querung der Bahngleise, die insbesondere Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Wege verkürzt.

In Rodgau unterstützen Bund und Land mit rund 838.500 Euro den Ausbau des Rodauradwegs im Stadtteil Dudenhofen. Zwischen Opelstraße und Hegelstraße wird ein rund 1,1 Kilometer langer Abschnitt ausgebaut. Ein Teil der Strecke wird zur Fahrradstraße umgestaltet. Die Stadt Dietzenbach erhält rund 389.600 Euro für einen Geh- und Radweg entlang der S-Bahn. Die rund 600 Meter lange Verbindung zwischen Rodgaustraße und Bad-Homburger Straße wird asphaltiert, verbreitert und beleuchtet.

Weitere Mittel fließen nach Mittelhessen und Osthessen. In Gladenbach fördert das Land mit 324.500 Euro einen rund 660 Meter langen Lückenschluss auf dem Salzböderadweg. Die Gemeinde Flieden erhält rund 324.900 Euro aus dem Bundesprogramm „Stadt und Land“ für den Ausbau eines etwa 900 Meter langen Radwegs zwischen Schweben und dem Gewerbepark Flieden-Mitte. Der bisher unbefestigte Wirtschaftsweg wird asphaltiert und auf 3,50 Meter verbreitert. In Friedberg unterstützen Bund und Land mit 196.500 Euro einen neuen Geh- und Radweg, der die Innenstadt und angrenzende Wohngebiete an den geplanten Radschnellweg FRM6 anbinden soll.

Auch die Planung längerer Radwegeverbindungen wird unterstützt. Bereits im August hatte Verkehrsminister Kaweh Mansoori drei Förderbescheide über insgesamt rund 2,3 Millionen Euro an den Regionalverband FrankfurtRheinMain übergeben. Damit fördert das Land die Planung zweier Abschnitte der Radschnellverbindung FRM9 zwischen Seligenstadt und dem Frankfurter Flughafen sowie eine Machbarkeitsstudie zur FRM7 zwischen Frankfurt, Maintal und Hanau.

Barrierefreie Straßenquerungen und moderne Ampelanlagen

Die Stadt Kassel erhält 587.200 Euro für den barrierefreien Umbau der Kreuzung Elfbuchenstraße und Dörnbergstraße. Die Gehwege werden im Kreuzungsbereich vorgezogen, sodass Fußgängerinnen und Fußgänger die Straße auf kürzeren Wegen überqueren können. Zusätzlich wird die Ampelanlage besser sichtbar. Auf bisher versiegelten Flächen entstehen Grünbereiche sowie zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten.

In Fulda unterstützt das Land mit 501.500 Euro den barrierefreien Umbau von vier Kreuzungen. Dabei werden die teilweise aus den 1960er bis 1980er Jahren stammenden Ampelanlagen ersetzt. Neue akustische und vibrierende Signale sowie taktile Bodenplatten sollen insbesondere Menschen mit Sehbehinderung die Überquerung der Straßen erleichtern.

Die Stadt Hanau erhält 362.400 Euro für drei neue Fußgängerampeln in Klein-Auheim und Steinheim. Zwei davon ersetzen bestehende Zebrastreifen an der Seligenstädter Straße. In Wanfried fördert das Land mit 196.400 Euro den Umbau von 13 Querungsstellen in der denkmalgeschützten Kernstadt. Abgesenkte Bordsteine und taktile Bodenplatten sollen dort Hindernisse für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Sehbehinderung beseitigen. Neckarsteinach erhält außerdem 148.000 Euro für einen Gehweg zwischen Kindertagesstätte und Sportplatz, einen barrierefreien Fußgängerüberweg und neue Fahrradabstellmöglichkeiten.

Beleuchtete Schulwege und Fahrradstellplätze

In Großen-Linden unterstützen Bund und Land mit 99.000 Euro den Ausbau eines Schulwegs in der Parkanlage an der Goethestraße. Der rund 350 Meter lange Geh- und Radweg wird verbreitert und mit elf LED-Leuchten mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Die Verbindung ermöglicht Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Gesamtschule und der Burgschule, eine stärker befahrene Straße auf ihrem Schulweg zu umgehen.

Zwischen Langenselbold und Hasselroth fördern Bund und Land mit 54.300 Euro die Beleuchtung eines 1,2 Kilometer langen Geh- und Radwegs zum Bahnhof Langenselbold. Die Stadt Zwingenberg erhält außerdem 18.100 Euro für die Planung einer Beleuchtung des rund 1,5 Kilometer langen Schulwegs nach Rodau.

An mehreren Schulen werden neue Fahrradabstellanlagen errichtet. Der Landkreis Kassel erhält 260.100 Euro für mehr als 600 Stellplätze an zwölf Schulen. Im Lahn-Dill-Kreis unterstützen Bund und Land mit 239.500 Euro neue und modernisierte Anlagen an acht Schulstandorten. Am Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm wird mit 258.700 Euro eine neue Fahrradhalle mit Platz für rund 250 Fahrräder und zusätzlichen Stellplätzen für Lasten- und Liegeräder gefördert.

Weitere Fahrradabstellanlagen entstehen unter anderem in Darmstadt, Fulda, Gründau und Volkmarsen. Der Regionalverband FrankfurtRheinMain erhält außerdem 128.700 Euro für insgesamt 91 neue Fahrradstellplätze an 13 Standorten in Echzell, Limeshain, Usingen und Friedberg.

Modellprojekte und kommunale Planung

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg unterstützt das Land mit 178.700 Euro ein Modellprojekt auf der Kreisstraße 59 zwischen Herzhausen und Asel-Süd. Dort werden für zwölf Monate beidseitige Fahrradschutzstreifen nach niederländischem Vorbild erprobt. Der Versuch wird wissenschaftlich begleitet und anschließend ausgewertet.

Auch die Planung weiterer Geh- und Radwege wird gefördert. So erhält die Stadt Frankfurt am Main 173.100 Euro für die Planung von Geh- und Radwegen im neuen Quartier am Römerhof im Zusammenhang mit der Verlängerung der Stadtbahnlinie U5. In Langenselbold fördert das Land mit 19.700 Euro einen Nahmobilitäts-Check, bei dem das Fuß- und Radwegenetz im gesamten Stadtgebiet untersucht wird. Die Stadt Bad Soden im Taunus erhält 16.200 Euro für die Planung eines Fußgängerleitsystems für die Innenstadt.

Die Fördermittel werden nach der Nahmobilitätsrichtlinie des Landes Hessen sowie über das Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes bereitgestellt. Hessen Mobil berät Landkreise, Städte und Gemeinden bei ihren Förderanträgen. Bei der Bundesförderung übernimmt das Land Hessen die Abwicklung einschließlich Prüfung, Bewilligung und Auszahlung.

(Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum vom 16.10.2026)